Stationen von Ellen Ammann
- Erziehung: Geboren am 01.07.1870 in Stockholm, Ihre Mutter konvertierte heimlich in Dänemark zum katholischen Glauben, in dessen Geist sie erzogen wurde. Sie wuchs in einem liberalen Haushalt auf und studierte Heilgymnastik in Stockholm.
- Leben: Heiratet 1890 Dr. Ottman Ammann und zieht von Schweden nach München. Arbeitet 18 Jahre in der Privatklinik ihres Mannes und wird 1919 in den bayerischen Landtag für die bayerische Volkspartei gewählt. Fast alle Fraktionsmitglieder sind gegen sie, da sie eine Frau aus dem Ausland ist. Sie verstirbt 1932 als längstes Mitglied im Parlament. Die Männer schätzen sie: Die Kollegin hat damals (1923 Hitlerputsch) mehr Mut bewiesen als manche Herren in Männerhosen, Franz Matt, stellvertretender Ministerpräsident Bayerns.
- Ihr Wirken: Neben der Gründung des Landesverbands Bayern des katholischen Deutschen Frauenbundes verdanken viele Einrichtungen ihre Existenz der körperlich zierlichen, aber charakterlich äußerst durchsetzungsfähigen Frau: Die Münchner Bahnhofsmission, der Mädchenschutzverein (heute InVia), die Katholische Stiftungshochschule München, die Polizeiseelsorge sowie die Vereinigung katholischer Diakoninnen.
Geisteshaltung
- Soziale Gerechtigkeit: Sie kann Ihre Augen vor dem sozialen Elend in München nicht verschließen. Sie schaut hin und erkennt, woran es der Bevölkerung und besonders den Frauen fehlt. Mit nordischer Vehemenz, viel Einfühlungsvermögen und politischem Weitblick setzt sie sich für die Rechte der Frauen und für sozial Schwache ein. Sie ist ihrer Zeit voraus: „Soziale Arbeit darf nicht im Dilettantentum stecken bleiben, denn sie ist verantwortungsvolle Arbeit am Menschen, mehr wie jede andere".
- Ihr Motto: Nicht reden, sondern handeln
- Einsatz für Demokratie: Bemühte sich im Frühjahr 1923 um die Ausweisung von Adolf Hitler aus Deutschland und warnte vor Ihm. Sie hörte von den Hitler Putsch Plänen am 08.11. von einer Freundin, alarmierte alle erreichbaren Regierungsmitglieder und versammelte sie in ihrer unverdächtigen Frauenschule, so dass diese den Widerstand gegen den Hitlerputsch am 09.11.1923 gerade noch rechtzeitig organisieren konnten.
- Religiosität und Nächstenliebe: Ihr Lebensgrundsatz war: „Die Liebe Christi drängt mich." Dieser Spruch hat Ellen Ammann in all ihrem Handeln begleitet. Ihre tiefe Religiosität und die damit verbundene christliche Nächstenliebe waren bestimend für ihr Denken und Tun.