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Demokratische Vorbilder

Demokratin im Porträt – Ellen Ammann

Demokratin im Porträt – Ellen Ammann

Starke Frauen – Starke Demokratie. Ellen Ammann, Pionierin der Frauenbewegung in Bayern, hatte als sechsfache Mutter maßgeblichen Anteil an der Verhinderung des Hitlerputsches im November 1923.

Stationen von Ellen Ammann

  1. Erziehung: Geboren am 01.07.1870 in Stockholm, Ihre Mutter konvertierte heimlich in Dänemark zum katholischen Glauben, in dessen Geist sie erzogen wurde. Sie wuchs in einem liberalen Haushalt auf und studierte Heilgymnastik in Stockholm.
  2. Leben: Heiratet 1890 Dr. Ottman Ammann und zieht von Schweden nach München. Arbeitet 18 Jahre in der Privatklinik ihres Mannes und wird 1919 in den bayerischen Landtag für die bayerische Volkspartei gewählt. Fast alle Fraktionsmitglieder sind gegen sie, da sie eine Frau aus dem Ausland ist. Sie verstirbt 1932 als längstes Mitglied im Parlament. Die Männer schätzen sie: Die Kollegin hat damals (1923 Hitlerputsch) mehr Mut bewiesen als manche Herren in Männerhosen, Franz Matt, stellvertretender Ministerpräsident Bayerns.
  3. Ihr Wirken: Neben der Gründung des Landesverbands Bayern des katholischen Deutschen Frauenbundes verdanken viele Einrichtungen ihre Existenz der körperlich zierlichen, aber charakterlich äußerst durchsetzungsfähigen Frau: Die Münchner Bahnhofsmission, der Mädchenschutzverein (heute InVia), die Katholische Stiftungshochschule München, die Polizeiseelsorge sowie die Vereinigung katholischer Diakoninnen.

Geisteshaltung

  1. Soziale Gerechtigkeit: Sie kann Ihre Augen vor dem sozialen Elend in München nicht verschließen. Sie schaut hin und erkennt, woran es der Bevölkerung und besonders den Frauen fehlt. Mit nordischer Vehemenz, viel Einfühlungsvermögen und politischem Weitblick setzt sie sich für die Rechte der Frauen und für sozial Schwache ein. Sie ist ihrer Zeit voraus: „Soziale Arbeit darf nicht im Dilettantentum stecken bleiben, denn sie ist verantwortungsvolle Arbeit am Menschen, mehr wie jede andere".
  2. Ihr Motto: Nicht reden, sondern handeln
  3. Einsatz für Demokratie: Bemühte sich im Frühjahr 1923 um die Ausweisung von Adolf Hitler aus Deutschland und warnte vor Ihm. Sie hörte von den Hitler Putsch Plänen am 08.11. von einer Freundin, alarmierte alle erreichbaren Regierungsmitglieder und versammelte sie in ihrer unverdächtigen Frauenschule, so dass diese den Widerstand gegen den Hitlerputsch am 09.11.1923 gerade noch rechtzeitig organisieren konnten.
  4. Religiosität und Nächstenliebe: Ihr Lebensgrundsatz war: „Die Liebe Christi drängt mich." Dieser Spruch hat Ellen Ammann in all ihrem Handeln begleitet. Ihre tiefe Religiosität und die damit verbundene christliche Nächstenliebe waren bestimend für ihr Denken und Tun.
Demokrat im Porträt – Robert Bosch

Demokrat im Porträt – Robert Bosch

Robert Bosch steht im Entwurf als Beispiel für demokratische Haltung, Toleranz, Gemeinwohlorientierung und fairen Umgang mit politischen Gegnern.
Was macht einen Demokraten aus? Nach gängigen Definitionen akzeptiert er nicht nur Entscheidungen, die demokratisch gefällt wurden, auch wenn sie nicht seiner Meinung entsprechen. Er ist zudem tolerant und fair im Umgang mit politischen Gegnern. Und er engagiert sich für das Gemeinwohl. Nach dieser Definition war Robert Bosch ein Demokrat im besten Sinne.

Stationen von Robert Bosch

  1. Erziehung: Eine demokratische Grundhaltung wurde ihm bei seiner Geburt 1861 in die Wiege gelegt, denn schon sein Vater Servatius war ein überzeugter Anhänger der Demokratie. Geprägt hatten diesen wiederum die Ideale der Aufklärung. Als Freimaurer vertrat er die 5 Grundsätze: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Diese versuchte er im Alltag umzusetzen und gab sie seinen Kindern mit auf den Weg.
  2. Erfahrungen: USA Reise 1884 mit 23 Jahren, um dort die Demokratie kennenzulernen. Ernüchtert musste er feststellen, dass in den USA des späten 19. Jahrhunderts auch nicht alle Voraussetzungen dafür erfüllt waren. Ihm fehlte „der Eckstein der Gerechtigkeit: die Gleichheit vor dem Gesetz." Schwarze Menschen und asiatische Einwanderer waren beim Thema Gleichheit in vielen Bereichen ausgeklammert.
  3. Solidarität: Neben der Freiheit, die eine Demokratie ausmacht, war ihm auch der soziale Aspekt wichtig. Gleichberechtigung und Solidarität prägten sein Denken schon früh. Während seiner Zeit in den USA trat er einer Gewerkschaft bei, die diese Ideale propagierte: „Ich war demokratisch erzogen. Ich hatte als Mechaniker gearbeitet und bin unterm Volke aufgewachsen. Die sozialistische Bewegung, welche in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts so machtvoll und zielsicher einsetzte, zog mich mächtig an."

Geisteshaltung

  1. Ausgleichende Gerechtigkeit: Dass Menschen arm oder reich geboren wurden und nicht mit gleichen Chancen an den Start gingen, empfand er als eine große Ungerechtigkeit, die es zu beseitigen galt.
  2. Bildung als Schlüssel: Bildung war für ihn der Schlüssel zu einer gleichberechtigten Gesellschaft. In vielen Initiativen half seine finanzielle Zuwendung begabten Kindern, denen aufgrund ihres sozialen Umfelds eine höhere Bildung verwehrt geblieben war.
  3. Toleranz: Eine Entscheidung zu akzeptieren, die demokratisch erzielt wurde, auch wenn sie eigenen Vorstellungen widerspricht, ist grundlegend in einer Demokratie. Er sah manche politischen Entscheidungen in der Politik der Weimarer Republik kritisch, er akzeptierte sie aber trotzdem. Wichtig für ihn war ein fairer Umgang mit Andersdenkenden.
  4. Menschenwürde: Einer seiner Grundsätze lautete: „Sei Mensch und ehre Menschenwürde." Er half, wo er konnte und unterstützte beispielsweise jüdische Vereine finanziell.